von Christiane Gref

Mara stemmte sich so kräftig gegen ihre Fesseln, dass sie schmerzhaft in ihr Fleisch schnitten.  Der Entführer hatte ihr zwar die Augenbinde abgenommen und doch war sie nahezu blind. Es störte sie, dass sie ihre Haare nicht hinter die Ohren streichen konnte. Kinnlang kitzelten sie sie im Gesicht. Ständig hatte sie Angst, es wären Spinnen. Die Betonwand gegenüber wurde von Zeit zu Zeit von vorbeifahrenden Autos beleuchtet. Mara fühlte ein Metallrohr in ihrem Rücken, an das man sie gebunden hatte. Sie konnte sich glücklich schätzen. Der Entführer hatte sie nicht misshandelt oder mit Drogen betäubt. Noch nicht. Lediglich eine Pistole hatte er in ihren Rücken gedrückt und sie höflich aufgefordert, ihn zu begleiten. Gestern Abend. Dieses Wasserrohr fühlte sich genau so an wie die Pistolenmündung.

Es quietschte erbärmlich, als die Tür geöffnet wurde. Mara stockte der Atem. Der Entführer knipste das Licht an. Erst schloss sie geblendet die Augen, dann blinzelte sie. Mara konnte das Gesicht des Entführers nicht erkennen, denn er trug eine Skimaske, die nur die Augen freiließ und darüber hinaus lediglich zwei Löcher in Nasenhöhe besaß. Er stand vor ihr, groß, bedrohlich, die Arme verschränkt. Starrte sie nur an. Seine Augen wirkten schwarz. Mara hatte Angst. Mit einer fließenden Bewegung beugte er sich zu ihr herab und durchschnitt die Kabelbinder an ihren Handgelenken. Kurz fühlte Mara Erleichterung, dann strömte der Schmerz durch ihre Hände. Nie hätte sie geglaubt, dass eine plötzlich einsetzende Blutzirkulation so weh tun könnte. Andererseits hätte sie auch niemals angenommen, jemals das Opfer einer Entführung zu werden. Warum sie? Sie hatte nur wenig Geld gespart, besaß kein Eigentum von größerem Wert und arbeitete als kleine Angestellte in einer Bank.

„Steh auf!”

Maras Beine versagten, sie taumelte und eine neue Schmerzwelle brandete durch ihre Hand, als sie sich abfing.

Der Entführer griff sie am Oberarm und stützte sie. Gemeinsam verließen sie den Raum.

Er brachte sie in einen anderen Raum, der sich auch im Keller befand, wie Mara annahm. Zumindest wechselten sie nicht das Stockwerk. Dieses Zimmer war hell beleuchtet und sauber. Ein quadratischer Tisch und zwei Stühle standen darin. Auf dem Tisch thronte eine elektronische Apparatur, halb so groß wie ein Laptop. Wollte man sie quälen? Mara begann zu zittern.

„Bitte, was wollen Sie von mir? Ich habe niemandem etwas getan und ich habe kein Geld.” Wider Willen liefen Tränen ihre Wangen hinunter. Sie hatte nicht weinen wollen, wollte stark sein, und das, was immer ihr auch widerfahren würde, mit Stolz ertragen. Schon jetzt war sie ein Wrack. Tränen der Scham mischten sich in die der Angst. Sie schmeckten bitter.

„Setz dich”, forderte der Entführer sie freundlich auf.

Mara nahm Platz. Er setzte sich ihr gegenüber. Wieder schaute er sie lange Zeit nur an. Zermürbend. Maras Blick huschte zu dem Apparat auf dem Tisch. Der Entführer fing ihren Blick auf.

„Das ist ein Lügendetektor. Ich werde dich jetzt anschließen. Keine Angst, es wird nicht weh tun.” Er wand je ein Band um den Zeige-und Ringfinger der rechten Hand und verschloss die Bänder mit dem Klettverschluss. „Zu eng?”

Mara schüttelte den Kopf. Ihre Augen folgten den Kabeln, die von den Bändern in die Maschine führten. Eine Digitalanzeige erwachte per Knopfdruck zum Leben.

„Wie heißt du?”

„Mara Feller”

„Bitte antworte auf jede folgende Frage nur noch mit ‚ja’ oder ‚nein’. Okay?”

„Ja”

„Hast du Angst?”

„Ja”

„Bist du verheiratet?”

„Ja”

„Hast du Kinder?”

„Nein”

Die Anzeige schlug aus, die elektronische Kurve zeigte einen zackigen Ausläufer nach oben.

„Gut, es scheint zu funktionieren.” Seine Augen zogen sich zu Schlitzen zusammen.

Aus seiner Tasche holte er jetzt eine schwarze Plastikdose. Er klappte den Deckel hoch und legte sieben Tabletten vor Mara auf den Tisch. Sie sahen unterschiedlich aus. Das Spektrum reichte von weiß und ohne Kennzeichnung, ähnlich einer Süßstofftablette, bis hin zu einer Kapsel, die einen giftgelben Unterleib besaß und durch deren durchsichtige andere Hälfte Mara grüne Kügelchen erspähte.

„Für jede Lüge wirst du eine Tablette bekommen. Was sie mit deinem Körper anstellen, wirst du dann merken. Lügst du das siebte Mal, wirst du die letzte Tablette schlucken und qualvoll an den Wirkungen sterben.”

„Das ist bestialisch. Warum tun Sie mir das an?”

„Weil ich Informationen benötige. Ich habe keinerlei Interesse daran, dich umzubringen. Dein Leben liegt einzig in deiner Hand.” Er stellte noch ein Glas Wasser neben den Todescocktail, der sich bunt vor ihren Augen erstreckte.

„Bist du bereit?”

Mara nickte.

„Du arbeitest in der Bank, Hansestraße zwanzig. Ist das korrekt?”

„Ja”

„Du arbeitest am Kundenschalter, aber auch im Innendienst. Richtig?”

„Ja”

„Du hast detaillierte Einblicke in den täglichen Geldfluss?”

„Nein”

Sein Blick huschte zur Anzeige, die sich außerdem noch mit einem Piepsen bemerkbar machte. Die Zacken erreichten ein Rekordhoch.

„Nimm die erste Tablette.”

„Bitte, ich …”

„Ruhe. Es gibt keine Verhandlung. Ich habe dir die Regeln erklärt und ich finde, du gehst äußerst unfair mit deiner Gesundheit um. Also, bitte.”

Mara nahm die erste Tablette aus der Reihe in die Hand und musterte sie gründlich. Sie hatte keine Ahnung, was das war. Weiß, klein und unschuldig sah das Medikament aus. Zitternd griff sie nach dem Wasserglas und plante, die Tablette in die Backentasche zu schieben und das Wasser daran vorbeilaufen zu lassen. Dann musste sie nur unauffällig die Tablette ausspucken und unter ihrem Schuhabsatz zermalmen. Sie trank einen kleinen Schluck Wasser und stellte zufrieden fest, dass die Tablette noch da war.

„Hast du die Tablette geschluckt?”

Sie nickte. „Du sollst mir eine verbale Antwort geben. Hast du die Tablette geschluckt?”

„Ja” Das Piepsen des Detektors verriet sie.

„Jetzt darfst du gleich die zweite Tablette hinterher nehmen. Und dieses Mal werde ich mich persönlich davon überzeugen, dass du beide geschluckt hast.”

Nachdem er Mara viel Wasser hatte trinken lassen, befahl er ihr, den Mund zu öffnen. Er lief um den Tisch herum und leuchtete ihre Mundhöhle mit einer kleinen Taschenlampe aus. Dann nickte er. Mara konzentrierte sich auf ihren Körper. Noch spürte sie keine Veränderung.

„Du kennst die Kombination eures Tresors?”

„Nein”

„Du hast Zugang zu der Person, die die Kombination des Tresors besitzt?”

Mara zögerte. Sie müsste lügen. Traute sich aber nicht. Wollte andererseits nicht die Wahrheit sagen. Der Schweiß brach ihr aus allen Poren. „Bitte, gib mir eine Antwort.”

Ihre Augen huschten zu den Kabeln, als könnte sie diese durch bloße Willenskraft kappen. Fest presste sie die Lippen aufeinander.

„Gut, wir erweitern die Regeln. Wenn du mir innerhalb einer Minute keine Antwort gibst, nimmst du eine Tablette.” Er stand auf und klopfte sich die Taschen ab. Dann zog er eine Stoppuhr aus seiner khakifarbenen Jacke.

„Du hast Zugang zu der Person, die die Kombination des Tresors besitzt?”

Es klickte und der eifrige Zeiger der Stoppuhr raste los.

Als er fünfzig Sekunden weit gekommen war sagte Mara: „Ja”

„Kannst du denjenigen dazu bringen, dir die Kombination zu verraten?”

„Ich weiß nicht.”

„Nimm eine Tablette. Wir hatten gesagt, nur mit ‚ja’ oder ‚nein’ antworten.”

Mara sprang auf. „Dann bringen Sie mich doch um. Los doch! Das ist schrecklich. Ich mache den Scheiß hier nicht mehr mit.”

„Ich bin kein Mörder. Nimm deine Tablette und setz dich wieder hin. Wenn du möchtest, kannst du das auch in umgekehrter Reihenfolge erledigen.” Wieder bestanden die schwarzen Augen des Entführers nur aus Schlitzen.

Trotzig griff Mara nach einem grünen Dragee und würgte es ohne Wasser herunter. Sie bekam allmählich Kopfschmerzen und ein lästiges Zwicken nistete sich langsam in ihren Gelenken ein. Es war angenehmer zu sitzen. Schwer plumpste sie auf den Stuhl zurück.

„Kannst du an die Kombination kommen?”

„Ja”

In Maras Knien begann es zu pochen und sie spürte Hitze in ihren Wangen und im Genick.

„Hast du mehr als einmal pro Woche mit der Person zu tun, die Kenntnis der Kombination besitzt?”

„Ja”

„Ist es der Direktor der Bank?”

Mara schloss die Augen und schwieg. Es klickte.

„Die Minute ist um, schluck die nächste Tablette.”

Mara rührte sich nicht. Sie konnte die Augen nicht öffnen, denn die Angst wurde übermächtig. Ihr Magen krampfte sich zu einer winzigen Kugel zusammen, die sich schwer wie Blei machte. Sie hörte wie durch Watte das Scharren vom Stuhl des Entführers, dann fühlte sie seine Hände an ihren Kieferknochen. Er öffnete ihren Mund und etwas Glattes glitt auf ihre Zunge. Es rutschte zu ihrer Speiseröhre, weil der Entführer ihren Kopf nach hinten überdehnte. Jetzt riss Mara panisch die Augen auf. Ihre Muskeln waren seltsam schlapp, als sie nach dem Mann schlagen wollte. Kaum schaffte sie es, die Hand zu heben. Das Gift in ihrem Rachen kullerte wieder ein Stück nach hinten, weil der Entführer ihr Nase und Mund zuhielt und ihr mit der anderen Hand über die Kehle strich. Sie zappelte, und dann setzte ihr Schluckreflex ein. Die Pille war fort. Sie bekam wieder Luft. Keuchend lag sie mit dem Gesicht auf dem Tisch. Ihr war schwindlig, alles drehte sich um sie. Ihr Herz schlug so schnell gegen ihre Rippen, dass ihr ganzer Körper vibrierte. Direkt vor ihren Augen lagen die restlichen drei Tabletten. Sie schienen sie ungeduldig anzustarren und ihr zuzuflüstern: Los, nur wir sind noch übrig. Beeil dich, wir wollen wieder bei den anderen sein. Es klickte.

„Ich warte immer noch auf eine Antwort.”

„Ja” Maras Stimme war ein Flüstern. Der Lügendetektor schlug nun unregelmäßiger aus und piepste, obgleich Mara überhaupt nichts sagte, der Entführer schien jedoch zufrieden, als er die Anzeige studierte.

„Schläfst du mit ihm?”

In Maras Kopf überschlugen sich die Bilder ihrer Liaison. Sie ballte die Fäuste, zumindest versuchte sie es. Die Klettbänder knisterten unter der Bewegung, die Kabel schwangen sachte, wie in einem Luftzug.

„Ja”, knurrte sie.

„Hast du deinem Mann gegenüber kein schlechtes Gewissen?”

„Das geht dich Arschloch einen Scheißdreck an.”

„Bitte nimm eine Tablette. Du hast nicht mit ‚ja’ oder ‚nein’ geantwortet.”

Widerstandslos griff sie nach Tablette Nummer fünf. Das war es ihr wert gewesen. Wie befreiend, endlich hemmungslos zu fluchen. Wie lange hatte sie schon kein Schimpfwort mehr benutzt? Es musste Jahre her sein. Ach was, Jahrzehnte!

„Das lief ja besser als ich dachte. Wir machen jetzt einen Anruf. Du wirst den Direktor überzeugen, dir die Kombination zu verraten. Wie du das machst, ist egal. Wenn du ihm aber irgendetwas von mir verrätst, dann nimmst sofort die letzten beiden Tabletten. Klar?”

„Ja”

Mit einem Ratsch öffnete der Entführer die Klettverschlüsse und schaltete den Lügendetektor aus. Er legte ein Handy auf den Tisch. Mara beugte sich vor und erkannte die Telefonnummer.

„Sie haben alles gewusst?”, fragte Mara schockiert.

„Nein, nicht alles.”

„Aber wie…?”

„Das hier ist dein Handy. Nachdem ich alle Nummern durchtelefoniert hatte, wusste ich, dass es diese hier sein muss.”

„Wie kann das sein? Mein Handy hatte ich zuhause vergessen. Im Kinderzimmer…” Maras Stimme brach. Plötzlich stürzte die Erkenntnis einer Flutwelle gleich über sie herein. Der Entführer begnügte sich mit einem knappen Nicken. Mara schrie vor Verzweiflung, fegte die Tabletten, ihr Handy und den Lügendetektor vom Tisch. Das Wasserglas zerschellte an der Betonwand. Der Entführer bückte sich und hob die Tabletten auf. Dann nahm er das Handy an sich und prüfte, ob es noch funktionierte. Mara brach kraftlos zusammen. Es schien, als habe die Wirkung der Tabletten mit einem Schlag eingesetzt. Ihre Muskeln erschlafften. Speichel troff ihr aus den halbgeöffneten Lippen. Ihre Tränenkanäle hingegen waren ausgedörrt, die Augen brannten erbärmlich.

„Deinen Kindern geht es gut. Der kleine Ruben ist ein witziges Kerlchen. Und Sabrina sieht aus wie ein Engel.”

„Wenn du meinen Kindern nur ein Haar krümmst, bringe ich dich um.” Ihre Stimme war ein heiseres Flüstern.

Der Entführer verzichtete auf eine Antwort und hielt ihr das Handy hin. Er drückte auf den Verbindungsknopf und aktivierte den Lautsprecher. Es tutete sieben Mal, dann schepperte die Stimme eines Mannes aus dem Apparat.

„Hallo. Du, es ist gerade ganz schlecht. Kann ich dich zurückrufen?”

„Nein, es ist dringend. Hans, ich brauche deine Hilfe.”

Die Stimme aus dem Handy wurde nun so leise, dass sie kaum noch zu hören war. „Meine Frau ist nebenan. Ich kann nicht ungestört reden.”

„Hans, das ist jetzt egal. Ich brauche die Kombination von unserem Tresor.”

„Was?”

„Das ist kein Witz. Es ist wirklich lebenswichtig.”

Die Augen des Entführers glitzerten kalt. Schnell sah Mara weg.

„Ich kann sie dir nicht verraten. Das weißt du genau. Wir haben unsere Vorschriften. Wieso willst du sie haben? Bist du in Gefahr?”

Sie schluckte schwer. „Hans, ich kann dir den Grund nicht sagen. Außer, dass mir noch nie etwas so wichtig war.”

Die Stimme am anderen Ende räusperte sich. „Gut, hast du etwas zu schreiben?”

Der Entführer zückte einen Block und einen Stift und nickte Mara zu.

„Ja, es kann los gehen.”

„Vier, sechs, dann drückst du die Shift-Taste und auf die Vier, sieben, sieben, dann Shift und acht.”

Mara wiederholte die Kombination.

„Ich hoffe, es war wirklich wichtig, denn ich bin jetzt meinen Job los und du deinen.”

„Danke, Hans. Ich weiß gar nicht, wie…” Es klickte. Doch dieses Mal war es nicht die Stoppuhr. Der Direktor hatte aufgelegt.

„Du hast ihm einen Tipp gegeben.”

„Habe ich nicht!”

„Du hast das ‚Leben’ im Wort ‚lebenswichtig’ betont. Nimm die vorletzte Tablette.”

Der Entführer brachte Mara in den anderen Raum zurück und fesselte sie wieder an das Metallrohr.

„Ich werde jetzt zur Bank fahren. Ein Freund von mir passt solange auf deine Kinder auf.”

Mara schluchzte trocken. Der Entführer war fort. Ihr ging es zunehmend schlechter. Sie fühlte, wie das Gift mit jedem Herzschlag weiter in ihrem Körper verteilt wurde. Überall in ihrem Leib zwickte, brannte, pochte es. Sie wollte nur noch schlafen. Schlafen und vergessen.

Das Quietschen der Metalltür brachte Mara in die Wirklichkeit zurück. Der Entführer betrat den Raum. Wieder erwachte das grelle Deckenlicht zum Leben und blendete sie. Dieses Mal kam es ihr jedoch vor, als stächen tausend Nadeln zugleich in ihre Augäpfel. Mühsam richtete sie sich in eine halbwegs sitzende Position auf. Jeder Knochen tat ihr weh.

„Dein Direktor hat dich ja schön verarscht.”

Mara starrte den Mann fassungslos an.

„Die Kombination war falsch.” Drohend machte der Entführer ein paar Schritte auf sie zu. Dann ging er vor Mara in die Hocke und drückte ihr etwas in die Handfläche. Es war die siebte Tablette. Das giftige Ungeheuer, das ihr den Tod bringen würde.

„Ich zwinge dich nicht, sie zu nehmen. Die Entscheidung liegt ganz bei dir. Wie gesagt, ich bin kein Mörder.”

„Meine Kinder?”

„Oh. Ich fürchte, deine Kinder sind schwer beschäftigt. Sie haben keine Zeit, ihre Mama zu vermissen. Dein kleines Engelchen unterhält sich gerade mit vielen netten Onkeln, die sie später bestimmt alle gerne ins Bettchen bringen. Und Ruben lernt gerade schwimmen. Bis jetzt hält er sich tapfer, obwohl er schon viel Wasser geschluckt hat.”

Mara verlor das Bewusstsein.

Als sie erwachte, war der Raum noch immer in grelles Licht getaucht. Der Entführer war verschwunden. Auf dem Boden vor ihr lag die Pille. Sie beugte sich in ihren Fesseln so weit zum Boden, dass sie die Pille zwischen ihren Zähnen zu fassen bekam. Innerlich verabschiedete sich von ihren Kindern und entschuldigte sich bei ihnen. Dann zerbiss sie die Kapsel und schmeckte bittere Kügelchen auf ihrer Zunge. Sie schluckte alle hinunter.

Ein Licht stach in ihre Pupillen. War das der Tod? Wärme umhüllte sie und sie fühlte sich schwerelos. Nicht mehr länger an das Metallrohr gebunden. Sie schwebte in die Dunkelheit davon.

Nie hätte sie damit gerechnet, doch sie wachte auf.

„Wo bin ich?”

Ihr Mann beugte sich über sie.

„Schatz, du bist im Krankenhaus. Es geht dir soweit gut. Du hattest viel Betäubungsmittel intus und andere Chemikalien, die gerade analysiert werden. Aber keine Angst, es war wohl nichts Lebensgefährliches. Jemand hat dich vor der Notaufnahme des Krankenhauses abgeliefert und ist weggefahren, ohne sich zu erkennen zu geben. ”

„Was ist mit den Kindern?”

„Was soll mit ihnen sein? Es geht ihnen prächtig. Sie sind bei Müllers nebenan. Ich wollte nicht, dass sie dich so kreidebleich liegen sehen. Ich soll dir aber einen dicken Kuss von beiden ausrichten.”


  1. Christiane

    Meinen lieben Dank an Alexander, dass er sich um meine Geschichte gekümmert hat.

    LG
    Christiane

  2. Alexander Trust

    Gerne. Des gehört aber auch mit zu meinen Aufgaben als Webmaster.

  3. Tina

    Liebe Christiane,

    deine Geschichte gefällt mir. Die Idee ist prima. Kompliment!

    Viele Grüße (auch an den mordsfleißigen Alex)

    Tina

  4. Sue

    Spannend und spätestens als die Kinder ins Spiel kommen für mich als Mutter nahezu unerträglich! Also sehr gut geschrieben.
    Gruß Sue

  5. Christiane

    @Tina und Sue,

    danke für eure Komplimente. Das mit den Kindern ist hart. Ich werde selbst bald Mutter und mir wurde bei meiner eigenen Story ganz beklommen :o)

    LG
    Christiane

  6. Claudia

    Die Story hat mir prima gefallen!
    Klasse Plot und spannend geschrieben.
    (Nur eine Winzigkeit: meines Erachtens kann man Küsse nicht “ausrichten” – eher “geben”?)

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