von Jana Zhekova Georgieva

Über sieben unterirdischen Flüssen, durch sieben Höhlen, in sieben Gebirgen, auf sieben rosa Wolken befand sich das Himmelskönigreich. Seine Staatsbürger waren der Erfolg, die Schönheit, die Freude, das Glück, die Zartheit und so weiter. Alle diese ergeben den Sinn des Lebens. Im Himmelskönigreich hatten sie Menschengesichter. Die Königin dieses Reiches war die Zeit. Sie war die schönste von allen. Ihre Haut war weiß wie Schnee. Ihre Augen waren groß, schön und bezaubernd. Sie waren so blau, so rein, fast durchsichtig. Ihre Lippen und Wangen waren rot wie Blut. Ihre Haare waren schwarz wie Ebenholz. Die Zeit hatte drei Töchter – den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Die besten Freunde der Königin waren die sieben Wochentage. Jeder von ihnen war einmalig. Der Montag war der Tag des Erfolgs. Der Dienstag war der Tag der Gerechtigkeit, der Mittwoch, der der Erkenntnis, der Donnerstag, der der Macht, der Freitag, der der Liebe, der Samstag, der des Friedens und der Sonntag war der Tag für glückliche Tätigkeiten. Die Kinder, die am Sonntag geboren sind, sind schön, klug und bezaubernd. Die Königin war am Sonntag geboren, deshalb mochte sie diesen Tag am meisten.

In dieser vollkommenen Welt halfen sich die Menschen gegenseitig und die einen konnten ohne die anderen nicht leben, deshalb war jeder Tag ein Fest und die Sonne ging niemals unter. Das Leben war schön und sogar das Übel  verstand sich mit allen. Sowohl das Leben im Himmelskönigreich als auch das Leben auf der Erde waren wunderschön.

Jeden Tag schien die Sonne glücklich und zufrieden. Es wurden immer mehr Kinder geboren. Die Menschen lebten einträchtig. Brüder, Schwestern und Verwandte hatten sich gern. Niemand kannte den Hass, den Neid und die Gier. Sogar die Regierenden waren den Menschen gewogen. Die Harmonie existierte auch auf der Erde.

Einmal entschied sich das Übel die Ordnung zu verderben, weil es die Nase voll von glücklichen Menschen hatte. Es konnte die frohen Gesichter von allen nicht mehr ertragen. Es wollte die Wochentage verfeinden, weil sie die besten Freunde der Königin waren und auf diese Weise würde sie unglücklich. Die ganze Macht würde in den Händen des Übels sein.

Zuerst traf das Übel den Dienstag und fragte ihn: „Warum bist du der zweite Tag in der Woche? Du musst der erste sein. Du bist schöner und klüger als der Montag.”

Danach traf das Übel die anderen Wochentage einzeln. Es war so überzeugend, dass die Tage nachgaben und miteinander zu streiten begannen. Alle hassten einander und verbitterten das Leben der anderen.

Zuerst sagte Montag zum Dienstag: „Warum bist du immer der erste? Du bist sowohl kleiner, als auch dümmer.” Der Montag erwiderte: „Ich bin schöner” – und er streckte seine Zunge heraus. Der Mittwoch griff in den Streit ein: „Im Gegenteil. Alle mögen nur mich, deshalb sind die Menschen nur am Mittwoch so glücklich.”

Und auf diese Weise setzten sie fort zu streiten. Nur der Sonntag sagte kein Wort. Er war die Intelligenzbestie und probierte mal die anderen Wochentage zu versöhnen, aber umsonst. Von allen Seiten hörte man verschiedene Ausrufe wie zum Beispiel:

„Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen”, “Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?”, “Wer hat von meinem Brötchen gegessen?”, “Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?”, “Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?”, “Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?”, “Wo ist mein Süppchen?”, “Ha-Ha-Ha, aber du hast eine Schale, meine ist weg.”

Der Samstag sagte entrüstet: „Jemand hat mein Bettchen zerbrochen. Gestern Abend war ich gefallen und jetzt habe ich Rückenschmerzen.”

„Kein Wunder, du Pechvogel”, sagte der Dienstag.

„Schweig, du Dummkopf!”

Auf diese Weise war die Ruhe im Himmelskönigreich gestört. Die Sonne ging nie mehr auf. Alles war in Dunkelheit – das herrliche Schloss und die ganze Himmelswelt.

Auf der Erde stritten sich die Menschen über Kleinigkeiten. Alle guten Eigenschaften waren vergessen. Die Brüder und Schwestern konnten den Familienreichtum unter sich nicht verteilen. Es kamen immer weniger Kinder auf die Welt. Die Nachbarn stahlen ihre Sachen gegenseitig. Die Regierenden stritten sich um die Macht und  jeder hatte das einzige Ziel, mehr Geld zu haben. Die Gier und der Egoismus beherrschten die Erde und Dunkelheit umhüllte sie.

Die Königin des Himmelskönigreiches wurde immer schwächer, deshalb musste sie schnell mit der Situation zurechtkommen. Mit der Hilfe des Sonntags traf sie die Entscheidung, ihre Töchter – den Glauben, die Hoffnung und die Liebe auf die Erde zu schicken. Das war die einzige Möglichkeit zur Verbesserung der Situation.

Der Glaube betrat die Menschenhäuser und überzeugte jeden, gut zu sein. Aber das half nicht. Die Hoffnung versuchte die Finsternis zu vertreiben, aber das Einzige, was passierte, war ein Spalt in den Wolken, durch den die Sonnestrahlen drangen. Aber das half auch nicht. Die Liebe war an der Reihe. Sie erwärmte die Seelen und die Herzen der Menschen. Alle umarmten sich und sagten, wie gern sie sich hatten. Das vertrieb die Dunkelheit und das Übel von der Erde und aus dem Himmelskönigreich.

Die Wochentage fragten die Hoffnung: „Warum konnte nur die Liebe uns retten?” Die Hoffnung antwortete: „Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist!”

Seit der Zeit leben alle einträchtig und glücklich.


  1. Pearl

    Diese Geschichte gefaellt mir sehr gut:)Sie hilft mir,wenn ich traurig bin,weil sie so ehrlich und bezaubernd klingt.Wir alle sollten an Janas Geschichte glauben,denn sie uns eine bessere Welt vorstellt…Ich liebe Jana:)

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